Der Mensch, als Ebenbild und Gedanke Gottes, ist der individuelle Ausdruck unseres Selbst, das es zu entfalten gilt.
Diese Ebenbildlichkeit geht vom biblischen Urtext der hebräischen Überlieferung eines elterlichen Gottesbildes aus, das auf der Vorstellung des göttlichen Prinzips des Männlichen und Weiblichen beruht, das ebenbürtig ist und nach dem auch die Menschen erschaffen wurden.
Das Weibliche, ist die dem Menschen zugewandte Seite Gottes. Auch als DU-alität zu verstehen, dass es zu allem eine zweite Seite gibt, die sich gegenseitig bedingen - voneinander profitieren, sich wechselseitig inspirieren und beeinflussen.
Die Naturwissenschaftlerin und Patriarchatskritikerin Dr. Kirsten Armbruster vertritt die These, dass das ursprünglich Göttliche immer die MUTTER = "Mater"-ie = lateinisch Mutter - war, weil in der Bauchhöhle der Mutter alles Menschliche ins Leben getragen wird, ob männlich oder weiblich. Die mütterliche Konnotierung mit Mutter Erde und Mutter Natur seien deutliche Verbindungen und Anzeichen dafür.
Der Wortstamm "Gott" ist im germanischen Raum entstanden. Das Wurzelwort "Guda" = germanisch, steht für männliche und weibliche Gottheiten. Nach der Zwangschristianisierung wurde aus dem heidnisch-germanischen "Guda", ein "Gott" - einseitig maskulin, um den christlichen Gott zu bezeichnen. Damit hatte das, was ursprünglich unter "Gott" verstanden wurde, eine völlige Veränderung erfahren. Das einseitig männliche Gottesbild, das sich im Patriarchat manifestierte, gab den Männern bis heute, Macht über Frauen zu herrschen und sie sich ihnen untertänig zu machen.
Durch diesen männlichen Machtmissbrauch wurde den Frauen weltweit unvorstellbares Leid zugefügt. Es sei daran erinnert, dass Frauen, insbesondere Hebammen und Heilfrauen, die über Wissen in Pflanzenkunde und Heilkunde verfügten, als Hexen beschuldigt wurden und einen grausamen Hinrichtungstod erleiden mussten! In 46 Ländern wie Papua-Neuginea, werden nach wir vor Frauen als Hexen stigmatisiert und auf unterschiedlichste qualvolle Weise zu Tode gefoltert. In Ländern wie Somalia werden unter Anwendung brutalster Gewalt, die Genitalien junger Mädchen mit einer Rasierklinge bei lebendigem Leib verstümmelt und damit ein Leben lang unfassbaren Schmerzen ausgesetzt - weil allein der Vater und der spätere, für sie ausgesuchte Ehemann, über das Mädchen, die Frau verfügt, als sein Besitz. Frauen, ihre Weiblichkeit und ihre Sexualität haben in dieser Kultur, ohne Mann, keinen Wert. Da es an weiblicher Bildung fehlt, wird diese grausame tief verwurzelte kulturelle und auf sozialen Riten basierende Tradition, bis heute praktiziert.
Das hebräische Wort "Elohim" bedeutet wörtlich "Götter", Gott/Geheimnis und ist der häufigste Name für Gott, der in der hebräischen Bibel, Tanach - die kein neues Testament kennt - genannt wird. Nach Verständnis der jüdischen Religionsphilosophie gibt es den Begriff "Altes Testament" nicht. Oft findet man auch den Begriff "Schöpfergötter" als Übersetzung von Elohim. Elohim ist eine Kombination aus dem Substantiv Singular & Substantiv Eloah, dem die Pluralendung/-im zugefügt wurde. Diese sogenannten Pluralpronomen bedeuten; "wir", "uns", "unser".
Wenn es in 1. Mose (Genesis) 1, 27 heißt: "Gott schuf den Menschen nach SEINEM BILDE und er schuf sie als Mann und als Frau", dann ist die vernünftige und "logische" Schlussfolgerung daraus, dass das Bild Gottes männlich und weiblich ist. Dieses Gottesbild widerspricht jedoch dem des christlichen, einseitig männlichen Gottesbildes. Anmerkung: "Logik" oder "logisch", von "Logos" abgeleitet, bedeutet: "Wort", "Sinn" und "Vernunft".
Die Frage ist: Wie konnte es zu dieser falschen Interpretation des Gottesverständnisses, den gesprochenen Worten bei der Schöpfung, die zur Lüge verdreht wurden, kommen? Denn die Aussage davor, in 1. Mose 1, 26: Und Gott sprach: "Lasst UNS Menschen schaffen nach UNSEREM BILDE, das UNS gleich sei", bestätigt noch einmal dieses Gottesbild des Männlichen und Weiblichen. Wer ist mit UNS gemeint, wenn Gott sie als Mann und als Frau erschuf? Der Schöpfer hat sich schließlich etwas dabei gedacht, als er seine Worte in dieser Formulierung wählte, denn er sagt nicht einfach lapidar: "Ich werde oder will jetzt mal Menschen schaffen!"
Die weibliche Gestalt der Weisheit korrigiert die Vorstellung eines einsamen, emotionslosen Gottes am Beginn der Schöpfung. Da ist jemand, die mit dem Schöpfer kommuniziert.
Vielleicht ...
"Vielleicht habe ich mir meinen Gott selbst erdacht, erträumt, erwünscht. Einen, der Gerechtigkeit bringt, Frieden, Liebe, Zusammenhalt.
Vielleicht ist dieser Gott in meiner Fantasie entstanden. Vielleicht wollte ich ihn mir so vorstellen, einen, der männlich und weiblich ist, einen, der das Schwache trägt, schützt und beachtet.
Vielleicht wurde aus meinen Gedanken die Vorstellung eines Gottes, der mir nahe ist, mit mir gemeinsam lacht und mit mir spricht, dem ich Fragen stellen kann und der mir antwortet.
Vielleicht ist dieser Gott, der in mir ist, auch ein individueller, einer der zu mir passt und sich durch mich zum Ausdruck bringen will?
Vielleicht ist dieser Gott, an den ich als Mensch glaube, eine kreative Erfindung meines eigenen Geistes, meines Höheren Selbst - ein Traum, den ich in mein Leben einlade, Gestalt in mir anzunehmen?
Vielleicht - oder vielleicht ganz sicher - ist die Sehnsucht nach einem Gott in jedem von uns angelegt, um uns auf die Suche nach diesem Gott, zu unserem Höheren Selbst, zu machen, um unsere eigene Realität zu erschaffen – um selbst Schöpfer und Gestalter unseres Lebens zu sein.
Vielleicht liegt der Schwerpunkt des wahren Menschseins- und -werdens, darin, dass der individuelle Mensch seine Göttlichkeit und damit seine ihm von Gott gegebene Macht erkennt.
Vielleicht liegt darin unsere Freiheit?
Vielleicht? Ja, darin liegt sie!
© 2025 | Gudrun Kropp | Schongau
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Anmerkung: Der Philologe & Philosoph Friedrich Nietzsche wuchs in einem streng religiösen Elternhaus auf und war Zeit seines - viel zu kurzen - Lebens, ein ernsthaft Suchender, der sich mit einem "christlich-fertig-konstruierten Gottesbild" nie zufrieden gab. Er litt viel mehr psychisch darunter. In den Jahren 1881/82 schrieb er das Buch: "Die fröhliche Wissenschaft" und entwickelte darin den Gedanken: "Gott ist tot. Gott bleibt tot: Und wir haben ihn getötet." Der Grund, warum die Menschen Gott getötet haben, bestehe darin, dass der Mensch nicht mehr selbst, als Schöpfer des eigenen Lebens, die Verantwortung für sein Handeln und das Erreichen eigener Ziele übernimmt. Damit hat der Mensch seine ihm von Gott gegebene Autonomie aufgegeben und stagniert aus diesem Grund in seiner Entwicklung. Er schreibt von der notwendigen Erkenntnis, die vom Getroffenwerden des Lichts ausgeht, das uns auf ein höheres Bewusstseinsniveau hebt, um zu verstehen, dass wir selbst Urheber unseres eigenen Handelns sind.
Friedrich Nietzsche sah das Christentum als eine Religion der Lebensverneinung an, eine, die die sichtbare Welt, Gottes Gegenüber - den Leib des Menschen abwertet und verachtet. Eine, die das Potenzial des Menschen herabwürdigt, unterdrückt und ihn in die Leere stürzt. Die christliche Werteordnung sei ein Widerspruch und gegen das Leben und die freie Entfaltung des Geistes gerichtet. Er sagt: "Gehorsam ist der Tod des eigenen Denkens. Wer blind folgt, sagt damit: Ich übernehme keine Verantwortung, ich stelle keine Fragen, ich will nur dazugehören. Das Herdentier steht für den Menschen, der nicht eigenständig denkt, sondern sich lieber in die Masse einfügt. Der Mensch wird zu etwas, das funktioniert, aber nicht mehr fühlt, nicht mehr lebt, nicht mehr fragt, was eigentlich wahr, gut oder sinnvoll ist."
Auch der Dichter Rainer Maria Rilke misstraute der "Glaubenswelt" des Christentums, die er als etwas Aufgedrängtes, Aufgebürdetes empfand. Er kritisierte die Mittlerrolle Jesu zwischen Gott und den Menschen und beharrte auf seiner Erfahrung, Gott direkt begegnen zu können. Schon als siebzehnjähriger Schüler schreibt er die provokanten Zeilen:
"Ihr lippenfrommen Christen
Nennt mich den Atheisten
Und flieht aus meiner Näh;
Weil ich nicht wie ihr alle
Betöret in die Falle
Des Christentums geh."
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Vater Himmel, Mutter Erde - Warum haben christliche Kirchen Mutter Erde vergessen und sich nur auf Vater Himmel fokussiert? Text: Angela Büchel Sladkovic
- Göttliche Einheit: Die Methapher verbindet den männlichen, transzendenten Aspekt-Vater Himmel-mit dem weiblichen immanenten Aspekt-Mutter Erde-was die vollständige göttliche Wirklichkeit widerspiegelt, die sowohl Geist als auch Materie erfasst.
Feministische Theologie kritisiert das patriacharlische Gottesbild und betont die Notwendigkeit, weibliche Manifestationen Gottes-wie die Mutter Erde-anzuerkennen, um die Gleichwertigkeit von Mann und Frau im Göttlichen zu sehen. Gott als Mutter in Jesaja 66, Vers 13: "Wie eine Mutter tröstet, so will ich euch trösten!"
Das Prinzip Gottes - Anima Mundi: Die Seele der Welt erwecken
Die Gefährdung der heutigen Menschheit beruht auf der einseitigen-patriarchalen Bewusstseinsentwicklung des männlichen Geistes, welcher nicht mehr durch die matriarchale Welt der Psyche im Ausgleich-in der Balance gehalten wird. Die Darstellung der archetypischen Welt des Großen Weiblichen, ist der Versuch, ein Beitrag zur Grundlegung einer künftigen Kulturtherapie zu leisten. Erst wenn die weibliche Welt fruchtbar mit einbezogen wird, kann die Entwicklung des Einzelmenschen möglich werden. Diese ist dringend nötig, denn der abendländische Mensch ist ansonsten den psychischen Gefahren, die sein Dasein von innen und von außen bedrohen, nicht gewachsen. Erst die Ganzwerdung des Einzelnen, ermöglicht ein fruchtbares Lebendigsein der Gemeinschaft. - Aus: "Die Große Mutter", Bilder und Symbole des Weiblichen - von Erich Neumann
Für den Hip-Hop-Diskurs-Rapper und Feminist Saul Williams wurzelt alles Übel dieser Welt im Glauben an einen Gottvater und dem "Machogehabe der Söhne Adams". Phallisch geformte Atomraketen, Gewährläufe oder Hochhaustürme sind für ihn Ausdruck patriarchalem Denken, das auf "Herr"schaft und Gewalt basiert.
Anmerkung: Das Patriachart ist ein Gesellschaftssystem, in dem Männer strukturell, wirtschaftlich und politisch dominieren und Frauen systematisch benachteiligt werden. Das System ist historisch tief verwurzelt und beeinflusst bis heute Rollenbilder, Arbeitswelt und Beziehungen.
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Manchmal - Manchmal fühle ich mich in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen geraten ist, die der Lüge mehr Glauben schenkt, als der Wahrheit - hilflos, bin wütend, ja, auch zornig. Und wenn alles mich zu erdrücken scheint, halte ich mich an nur einem Strohhalm fest, der ICH bin. - Gudrun Kropp
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"Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt, die Wahrheit kann von alleine aufrecht stehen." - Thomas Jefferson, US-amerikanischer Staatsmann & Gründerväter
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