Gudrun Kropp, Autorin

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Rumänien-Einsatz 

ICH BIN WIEDER DA...

...von unserem Rumänien-Einsatz. Wir waren eine echt tolle Truppe, obwohl sich einige vor der Reise noch nicht kannten. Ich möchte diese Zeit auf jeden Fall nicht missen. Und vielleicht interessiert sich ja der eine oder andere dafür und möchte wissen, welche Erfahrungen wir in diesem Land gemacht haben. 

Wir sind mit neun Leuten, zwei Transportautos und einem VW- Bus von Augsburg aus nach Vaideiu (Gemeinde Ogra) gestartet, um in erster Linie Kleidung, aber auch Kaffe, Obst und Süßigkeiten unter Hilfsbedürftigen auszuteilen. Gemeinsam mit der rumänischen Schriftstellerin Mariana Blank (ihrem Mann Jürgen) und ihrer Schwester, die dort praktische Sozialarbeit im Dorf leistet, wurden wir in deren Heimatort empfangen und bekamen dort auch eine Unterkunft für zehn Tage. Mariana Blank, die in der Region schon bekannt ist und ich, bekamen sogar einen Termin bei der rumänischen Zeitung und einem Radiosender für zwei Interviews. Wir konnten einige Informationen über unsere Arbeit als Schriftstellerin weitergeben und Mariana berichtete noch von weiteren durchgeführten und geplanten Hilfstransporten.
Auch Gespräche mit dem Bürgermeister der Gesamtgemeinde Ogra (zu der sieben Ortsgemeinden zählen), standen auf der Tagesordnung. Grundlage der Gespräche waren die von Augsburg inzwischen schon in die Wege geleiteten Hilfsprojekte für die rumänische Bevölkerung.
Wir haben uns auch besonders über das Angebot zum Aus- und Umbau eines großen, renovierungsbedürftigen Gebäudes gefreut, das für viele Menschen, insbesondere für Frauen und Mädchen, die misshandelt wurden oder auf Gelderwerb durch Prostitution angewiesen sind, als Zufluchtsort dienen könnte. Eine Bäckerei und ein kleines Gärtnereigeschäft einzurichten, in denen einige Menschen eine Beschäftigung finden würden, wären weitere Gedanken, die wir mit diesem Haus verbinden.

Bisher haben wir uns einen Eindruck der Situation verschafft, in der die Menschen dort leben. Weitere und konkrete Schritte müssen folgen. Es herrscht viel Hoffnungslosigkeit in diesem Land. Und auch hier gilt es: Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.Wir wollen auf jeden Fall weiter machen und unseren Einsatz nicht auf diese Tage zwischen 29. Dezember 2004 und 07. Januar 2005 beschränken. Noch immer gehen mir Bilder der dort Not leidenden Menschen, die wir dort kennengelernt haben, nicht aus dem Kopf.

Hier setzen wir mit unseren drei Autos auf eine noch mit der Hand betriebenen Holz-Fähre in Richtung des Ortes "Vaideiu" rüber. Der Weg dorthin führte durch unzählige Schlammlöcher.




Nach ca. einer halben Stunde Autofahrt (wir blieben mit unseren Autos immer hintereinander) tauchte das Schild unseres Zielortes auf. Der Name "Vaideiu" bedeutet übrigens: "Schmerz Gottes".



Eines der typischen Häuser des Ortes, die mit einem Lehmboden ausgestattet sind. Die meisten bestehen nur aus einem Raum und sind sehr notdürftig eingerichtet. Toilletten gibts nur draußen. Viele kennen noch aus Großvaters Zeiten die "Plumpsklos". Diese sind dort etwas ganz Normales. Unvorstellbar für uns, die wir doch mehr oder weniger Luxus gewöhnt sind.


Auf dieser Straße sieht man deutlich die fast unzumutbaren (nicht nur fürs Auto) Schlammlöcher. Viele Menschen sind zu Fuß unterwegs und ab und zu begegnet man einer Pferdekutsche.Übrigens, wird die Post in dem Dorf auch mit einer Pferdekutsche gebracht...








So sah unser Auto nach einer "Schlammfahrt" aus. Hier sind wir gerade dabei, gemeinsam mit der Sozialarbeiterin, Säcke mit Kleidungsstücken, Kaffe und Süßigkeiten usw. bei den Familien, die nicht selten fünf bis acht Kinder hatten, zu verteilen.




Nach einem kurzem Anfahrtsweg mit dem Auto, konnten wir allerdings nur zu Fuß weiter kommen und die Häuser der armen Familien erreichen. In diesen Beuteln befinden sich Süßigkeiten und ein Kuscheltier. Es geht hier über Wiesen und Felder.




"Über sieben Brücken musst du gehn ...", ja, so viele mussten wir mindestens passieren, nur um zu einem Grundstück zu gelangen. Balancieren war angesagt, um da rüber zu kommen.



Viele Familien haben kein fließendes Wasser im Haus, sondern besitzen außerhalb ihres Hauses einen Brunnen, aus denen sie mit Hilfe einer Balken-Holzkonstruktion und einem angehängten Eimer, Wasser schöpfen. Diese Haushaltstätigkeit muss natürlich mehrmals täglich und bei jeder Witterung, im Sommer wie im Winter, geleistet werden.




P. S.

Ein Gedanke hat mich, schon während des Rumänienaufenthaltes, bis heute nicht losgelassen: Diese Reise war eine Reise in die Vergangenheit, nicht nur was den technischen Fortschritt angeht. So, als wäre die Zeit dort stehen geblieben. Und die Rückreise hat sich dementsprechend als Rückweg in die Zukunft vor meinem geistigen Auge dargestellt.
Doch bei allem, was wir dort auch an vermeintlich "Rückständigem" erlebt haben: Die Menschen strahlen eine angenehme Ruhe und eine echte Menschlichkeit aus, zumindest auf den Dörfern, die uns schon zum Teil verloren gegangen ist. Sie gehen liebevoll miteinander um und sind einfach dankbar, selbst für die kleinsten Dinge. Und das ist doch das Eigentliche im Leben.
Diese positiven Erfahrungen werden mich auf jeden Fall noch länger, tief im Inneren, bewegen.

Herzlichst Ihre Gudrun Kropp
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